Bauanleitung – Kasperltheater / Puppentheater in vernünftiger Größe – stabil und (einigermaßen) günstig

18. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Reviews, TOP-Thema

Tri Tra Trullala allerseits,

Für den dritten Geburtstag meines Jüngsten, war ich lange auf der Suche nach einem vernünftigen Kasperltheater. „Vernünftig“ heißt in diesem Falle, dass es immerhin so groß sein sollte, dass auch ein- oder zwei Erwachsene es bespielen können sollen, ohne dass diese(r) den schwarzen Gurt in Yoga benötigen, oder sich schlicht dahinter LEGEN müssten. Der Markt gibt da wirklich nur regelrechtes Spielzeug her. Also kam mir die Idee mich selber daran zu machen und weil mein erstes Brainstorming schnell zu einer konkreten Idee geworden ist, habe ich die Bauabschnitte fotografiert und mich entschlossen, das ganze zu einer Anleitung aufzublasen und sie zu veröffentlichen. Fangen wir an….

Meine Zielsetzungen:

  • Groß genug, um von Erwachsenen bespielt zu werden
  • Klein genug, dass meine Jungs (3 und 6) auch schon damit spielen können
  • Stabil genug, um Generationen zu überdauern ( Meine Enkel sollen mal sagen: „Das hat mein Opa gebaut“ )
  • Ansehnlich soll es werden. So richtig echt aus Holz, für einen echten „Ahhhhhhh Effekt“
  • Zu schwer darf es nicht sein. Zumindest ich selbst möchte das Teil noch problemlos durchs Haus schleppen können, trotz meiner Rückenbeschwerden.
  • Es darf nicht all zu teuer werden. Irgendwo zwischen 100€ und 150€ muss die Landung stattfinden. Weniger als 100€ ist einfach unrealistisch, wenn man das Teil nicht aus Pappe bauen möchte.

Die Konstruktionsfrage:

So nicht:

Zunächst einmal stellte sich die Frage nach der Grundkonstruktion. Da gibt es natürlich die ganz naheligende Option, einfach eine Platte zu nehmen, ein Fenster reinzuschneiden, links und rechts zwei schmalere Platten als Seitenwände anzubringen und gut is… Das würde dann so aussehen:
Die Probleme daran sind folgende: Eine richtige Tischlerplatte wäre viel zu schwer und auch viel zu teuer. Wenn man Sperrholz, Spanplatte oder MDF nähme, müsste man es zwingend bunt anmalen, damit es wenigstens etwas hermachen würde. Ich persönlich fände das dann einfach zu langweilig, sowohl als Ergebnis, als auch als Bauprojekt. Alle die das Anders sehen, können jetzt damit loslegen und sind bereits am Ziel. Doch für mich gillt:
Wobei…. eine leichte Abwandlung davon habe ich als Idee für die Einladungskarten für die Geburtstagsfeier von Bruno hergenommen. Das hier ist das Ergebnis:

 Also so:

Ich habe mich aus Gründen der Optik, der Kosten und des Gewichts also für eine Rahmenkonstruktion entscheiden, bei der ich mit Brettern und Leisten arbeite und die Flächen dazwischen mit einem leichteren Material fülle. Nach und nach schälte sich dann dieser Entwurf heraus:

 

 

Materialwahl, Abmessungen und Teileliste

Also ab in den Baumarkt und sich inspirieren lassen. Irgendwie ist das immer das Schönste an so einem Projekt. Da ich wirklich nur selten dazu komme, etwas zu basteln, bin ich auf einen guten Baumarkt angewiesen, in welchem man sich in Ruhe umsehen kann und wo man ggf. auch noch mal den einen oder anderen Tipp bekommt, ob das was man sich so ausgedacht hat, auch realistisch ist. So wusste ich z.B. nicht so recht, was ich für die Flächen nehmen sollte. Erst hatte ich Hartfaserplatten im Kopf (Das Zeug, was bei Ikeaschränken die Rückwand darstellen soll) aber der nette Herr aus Dem Baumarkt empfahl mir Pappelsperrholz!! Das hat eine tolle Optik, ist sehr leicht und genauso günstig. Klar war für mich, dass ich auf Standardbretter und Latten zurückgreifen wollte, um die Kosten niedrig zu halten. Erst nachdem ich mich hier entschieden hatte, habe ich mir über die Abmessungen Gedanken gemacht, denn erst jetzt konnte es ja konkret werden. Tatsächlich habe ich mich als allererstes auf den Hintern gesetzt, um meine „Sitzhöhe“ zu ermitteln. So bekam ich das Maß für die Unterkante der Bühne 🙂 Das waren in meinem Falle ca. 100 – 110cm. Die Bühne selbst, sollte ca. 100cm breit und ca. 50cm hoch werden und so nahm das ganze dann konkretere Formen an. Nach einer Stunde Baumarkt sah das dann so aus:

 

Teileliste Holz:

5 x Leisten glattgehobelt – 24x44x2500 – Stückpreis 5,99 2 x Bretter glattgehobelt – 18x140x3000 – Stückpreis 7,99 1 x Brett glattgehobelt – 18x140x2500 – Stückpreis 6,49 Pappelsperrholz (Zuschnitt beachten – Siehe weiter unten) -qm Preis 7,99. Gesamtkosten : 38€ Gesamtkosten für Holz waren zur Zeit des Kaufs bei mir also: 90,42€

Zuschnitt:

Aus(sen)maße:

  • Da die sichtbare Bühne 1000mm breit werden soll und ich es wichtig fand, links und rechts davon noch ein wenig Luft zu haben, ergab sich eine Gesamtbreite der Front von 1280mm (1000mm + 2x140mm)
  • Aus dieser Gesamtbreite wiederum ergab sich die Breite der Seitenflügel, die genau die Hälfte der Frontbreite haben sollen, damit man das Ganze am Ende vernünftig zusammenklappen kann. Das wären dann also 1280mm / 2, also 640mm

Bretter für den Frontrahmen:

  • die beiden 3000mm Bretter werden jeweils in 1600mm (Ständer links und rechts) , sowie 1280mm (Fesnterbank und Kopfteil) zerlegt.
  • Aus dem 2500mm Brett brauchen wir 2 x 1000mm (Eins für das Querbrett unten und eins für das Querbrett, welches die Unterkante der Bühne darstellt)

 Leisten für die Seitenrahmen:

  •  Aus vier der Leisten brauchen wir jeweils ein Stück in 1600mm Länge und eins in 552mm. (Die 552mm ergeben sich aus der Geamtbreite von 640mm – 2x der Breite der Leisten von jeweils 44mm).
  • Die 5te Leiste ist zunächst über, die brauchen wir später um eventuelle Hintergrund/Szenenbilder aufhängen zu können. Damit sie ins Auto passt, habe ich eine Seite auf 1700mm längen lassen.
  • Übrig bleiben automatisch 4 kurze Stücke (380mm) von denen wir zwei Stück noch als Umfallschutz verwenden, damit das ganze Theater (noch) stabiler steht. Wie genau das gehen soll, erkläre ich in der Bauphase weiter unten

Pappelsperrholz für die Front und Seitenflächen:

  • Das Sichtbare Maß der Frontfläche beträgt 1000mm x 720mm (Die 720mm ergeben sich aus der geplanten Höhe der Bühnenunterkante – 2 x 140 mm) Da wir die Platte natürlich auch noch befestigen müssen, geben wir auf allen Seiten 50mm dazu. Es ergeben sich also für die Frontplatte: 1100mm x 820mm
  • Bei den Seitenflächen habe ich mich dazu entschieden, die kompletten Außenmaße zu übernehmen, so dass die Seitenteile von innen komplett verkleidet sind, also brauchen wir zweimal 1600mm x 640mm

Teilliste Kleinteile und Beschläge:

Wer jetzt schon jubiliert, wie günstig das ja alles ist, hat leider die Rechnung ohne die Kleinteilefalle gemacht. Wohl dem, der Schrauben, Holzdübel, Leim, passende Bohrer usw. schon zu Hause hat. Da kann man viel Geld sparen. Hier trotzdem einmal die Kleinteileliste, die bei mir den Preis letztendlich doch auf 150€ getrieben hat und da ist noch keine Farbe dabei:

  • Schrauben für die Befestigung des Pappelsperrholzes – Spaxschrauben 3x16mm (200Stk Packung)
  • Schrauben für die Befestigung der Schaniere und der Sturmhaken – Spaxschrauben 3,5x20mm (200Stk Packung oder kleiner)
  • 10 Stück Schrauben für die Verschraubung der Seitenrahmen (Stoß auf Stoß) und die Fixierung der Kopfleiste von oben.- 4x60mm (Gewinde nur am unteren Ende)
  • 6 Stück Schaniere (jeweils zwei Stück für die Seitenteile und zwei Stück für die Fensterbank)
  • 6 Stück Sturmhaken (Jeweils zwei Stück für die Seitenteile, zwei Stück für die Fensterbank und zwei Stück für die Standfüße der Seitenteile, die ich oben schon erwähnt habe
  • Gardinenleiste für den Vorhang.
  • 20 Stück 6mm Holzdübel und noch wichtiger: Es gibt so kleine Metalldinger, die man nach dem Bohren der Dübellöcher temporär einsetzten kann. Die haben vorne einen Dorn dran und das Ganze setzt man dann auf das zu verbindende Holzstück. Dadurch hat man die Bohrlöcher für die andere Seite perfekt und simpel markiert. Kommt gleich noch genauer in der Bauphase.
  • 80er Schmirgelpapier zum Brechen er Kanten für die Holzteile
  • 240er Schmirgelpapier zum glattmachen
  • Holzleim
  • Holzbohrer 3mm, 4mm und 6mm

 Wir spielen Bob der Baumeister

So, los gehts… Es versteht sich wohl von selbst, dass wir ganz am Anfang bei jedem Holzteil mit Schmirgel sauber die Kanten brechen und es hinterher schon handschmeichlerisch glätten 🙂

Die Seitenteile

Wir nehmen 2 x 160cm Leisten und 2 x 55,2cm für eine Rahmenseite (Bild1) , bohren zwei Löcher in der halben Länge der Dübel (Bild2), setzen die zwei Kupfernubsis ein (Bild3) und können so die Bohrpunkte für das Gegenstück setzten (Bild4 und 5). Nun kann man das Gegenstück bohren. Man sollte nicht vergessen, sich Markierungen zu machen, damit man in Ruhe alles bohren kann und hinterher noch weiß, welche Teile wie zusammengehören (Bild7). Nachdem wir alles fertig gebohrt, Leim aufgetragen, mit Dübeln bestückt und den ganzen Rahmen zusammengesteckt haben, fixieren wir das Ganze noch mit jeweils einer 60mm Schraube pro Seite (Vorbohren nicht vergessen) (Bild8 und 9). Als Letztes verschrauben wir nun mit den 3x16mm Schrauben die Pappelsperrholzwand auf dem Rahmen (Bild10) und voila… fertig ist ein Seitenteil 🙂 (18.12.202013)






Das Kopfteil

Das Kopfteil habe ich an den Rändern mit einem Ausschnitt versehen. 14cm breit (So breit wie ein Brett) und 4cm tief. So fügt sich das Ganze optisch schön zusammen. Um eine schöne Rundung für das Kopfteil hinzubekommen, habe ich tieeef in die Trickkiste gegriffen und einen „Zirkel“ gebaut. Einfach eine Schnur an einem festen Gegenstand befestigen und ans andere Ende einen Stift knoten. Nun muss man nur noch von Hand den richtigen Abstand mitteln und schon hat man eine schöne Rundung. Dass die Fotos im Dunkeln gemacht sind, ist dem Winter geschuldet. Es war 18:00 Abends. Am nächsten Tag sprang das Auto nicht mehr an, weil ich die Baterie leergelutscht hatte, möööp Das fertige Kopfteil sieht dann so aus: 

Der Frontrahmen

Die Fensterbank

Die Vorhänge

Die Kulissen

Beleuchtung gefällig?

Bemalung / Lackierung

 

8 Kommentare auf "Bauanleitung – Kasperltheater / Puppentheater in vernünftiger Größe – stabil und (einigermaßen) günstig"

  1. karl hett sagt:

    liebe theater-freunde

    ich bin zur Zeit damit beschäftigt ein kasperletheater zubauen. die Abmaße sind: Frontteil 2x 2.25 m/Seitenteile
    1×2.25m/ und das Kopfteil -hat eine Dreiecksform -Grundseite 2m lang und eine Höhe von 40 cm
    Der Bühnenausschnitt beträgt 1,20m und 60cm hoch.
    Es ist vorgesehen über dem Bühnenauschnitt einen kleinen Vorhang von ca.15 cm höhe und der breite von 1,20m anzubringen.Und an den restlichen Frontfläche von je 40cm Breite einen Vorhang anzubringen ,der bis zum Boden hängt.Dh.40cm breit und 2,25m lang -je Seite.
    Auch eine Fensterbank wird die Frontseite schmücken ( euer Model -vorne halbrund -gefällt mir).
    Da ich kein Holzfachmann bin und diese Theater für eine Behinderten -Einrichtung ehrentamtlich
    baue wäre ich ihnen sehr dankbar zu folgende Fragen einige Typs hinsichtlich der Maße und konstruktions-
    möglichkeiten mir mitzuteilen.
    1. Abmaße der Fensterbank / Wie ? kann ich die Vorhänge anbringen / !!!!! Typs zur Außen und Innen Beleuch.

  2. Wolfgang sagt:

    Mein größtes Problem ist es eine Kullisse zu erstellen.
    Gibt es irgendwo einen Stoff mit Fotomotiv oder ähnliches?
    Gruß Wolfgang

  3. Christine sagt:

    schade ich habe mich schon gefreut…
    Könntest du mir vielleicht nur den Plan und ein bild vom fertigen Theater senden?
    Lg
    Christine

  4. Markus sagt:

    Hallo Renate,

    doch ich will das noch fertig machen!
    Ich habe auch alle Fotos hier liegen, ich komme einfach nicht dazu im Moment….
    Lass mir noch ein bisschen Zeit 🙂

    LG Markus

  5. Renate sagt:

    Kommentar (mit Hoffnung) verschickt, aber ……

  6. Renate sagt:

    Ooooch, ich war glücklich, die Seite gefunden zu haben…! Und dann ………….! Wie kann ich motivieren, den Rest der Anleitung auch noch einzusehen?

  7. Jessica sagt:

    Hey fleißiger Papa, wo ist der Rest der Anleitung?

    • Beate Gatermann sagt:

      Hallihallo,
      mich hätte auch die ganze Konstruktion interessiert. Leider gibt es ja diese Größe nicht zu kaufen. wir benötigen diese für eine Hochzeitsfeier mit vielen Kindern….
      Ob Sie mir Bilder zusenden könnten? Wäre prima
      MfG Gatermann

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