Dandruff begins

DIE DANDRUFF-REMEDY CHRONIKEN

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Vom Urknall bis zu Eierpappen

Die Band…unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1991. Dies sind die Abenteuer von Dandruff-Remedy, die mit ihrer 5 Mann strammen Besatzung 18 Jahre lang unterwegs sind, um kommerziell komplett erfolglos, jegliche Stiländerung zu ignorieren, aber das ebenso effektiv wie konsequent. Viele Lichtjahre von vollen Stadien entfernt, dringen die 5 Evolutionsverweigerer auf ihre Art trotzdem in kompromisslose Beständigkeit vor, die nie ein Mensch zuvor für möglich gehalten hätte.

Wo fange ich nur an? Bei dem was wir mittlerweile sind, oder damit, was wie vor nahezu 18 Jahren erwartet hatten, wo wir heute sein wollten? Ich glaube um annähernd zu verstehen, warum wir immer noch sind und mehr oder weniger quietschfidel unseren Stiefel machen, muss ich wirklich ganz von vorne beginnen.

Der Urknall

Ganz von vorne ist sogar noch ein gutes Stück vor der wirklichen Gründung der Band. Die ersten Anfänge nahm das Ganze nämlich bereits 1990. Ich war damals noch beim Bund und 21 Jahre alt. Ich hatte einen Freund, der wiederum einen Freund hatte, der sich unbedingt ein Schlagzeug kaufen wollte. Irgendwie kam die Idee auf, dass man ja zusammen „mal was machen“ könne. Die Eltern von dem mit dem Schlagzeug hatten in ihrem Haus einen Kellerraum „über“, der sich vor allem dadurch auszeichnete, ein Hort diverser alter Fensterrahmen und Türen zu sein, zwischen denen noch alle möglichen Spanplatten, Farbeimer und andere Utensilien standen. Die Art von Sachen, die einfach zu schade zum wegschmeißen sind, obwohl man sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie wieder brauchen wird. Man kennt das auch aus dem Kühlschrank, oder der Haus-Apotheke.
Diesen Raum bekamen wir damals vom Papa des im Werden begriffenen Schlagzeugers quasi geliehen. Wir mussten nur das Zeug da raus schaffen, was wir mit wahrem Hurra-Eifer auch schnellstens bewerkstelligt hatten. Nun hatten wir also einen 3,75m x 390m kleinen Kellerraum und unsere Phantasie. Aus dieser Kombination einen Proberaum zu machen war lediglich durch quasi nicht vorhandene finanzielle Mittel, sowie die komplette Abwesenheit von Kompetenz begrenzt. Was ich damit sagen will ist, dass wir immer noch in genau diesem Kellerraum unsere Phonbasis haben! Was die absoluten Anfänge angeht, hat Darwin nicht mal vor uns halt gemacht. Ständige ergonomische Veränderungen (wenn auch nicht immer unbedingt Verbesserungen), haben mittlerweile das Optimum aus den ca. 30 Kubikmetern herausgeholt. Angefangen haben wir jedenfalls mit Eierpappen und Teppich…

Merke:„Liebe Hausbesitzer, bevor sie ihrem Sohnemann leichtfertig einen gewissen Prozentsatz ihres Wohnraums zur Verfügung stellen –und sei es weniger um die Muse zu fördern, als um den elenden Lärm, den so ein Schlagzeug macht, etwas lindern zu wollen-, seien sie sich darüber im Klaren, dass die Sauna, die sie eigentlich immer mal haben wollten und welche für die Zeit nach der spätpubertären Krachphase ihres Sprösslings in eben dem besagtem Kellerraum angedacht war, durchaus für immer Illusorisch bleiben wird…. genauso wie die irrige Annahme, dass ein paar Zentimeter Kellerdecke und eine Stahltür eine befriedigende Eindämmung für zügellose Dezibel Orgien sind, die noch dazu proportional mit den Jahren an Lautstärke zunehmen, weil sich das Equipment äußerst dynamisch den finanziellen Möglichkeiten der Protagonisten anpasst!“

Der Nestbau

Um der Genauigkeit Genüge zu tun, es waren exakt 400 Eierpappen. Die hatten wir von meinem Vater bekommen, der zu der Zeit noch Grünhöker (Obst- und Gemüsehändler) war. 400 Eierpappen sind vor allem erst einmal eins: Relativ viel. Zwei fast Mannshohe Haufen von ineinander gesteckten, quadratischen Paletten, sehen zunächst einmal nach Arbeit aus und zwar unabhängig davon, ob man da nun Eier reinstecken, oder die verdammten Dinger an die Wand klatschen will. Die Idee dahinter waren natürlich diese Schaumstoffplatten mit den Pyramidenförmigen Zacken, die man ja aus Studios kennt. Dadurch wird die Oberfläche eines Raumes vergrößert und der Schall gebrochen oder so ähnlich. Wie auch immer, die Tatsache, dass das Ganze zwar zur Verbesserung des Raumklanges beitragen mag, aber mit Sicherheit nicht zur Schalldämmung, war uns erstens klar und zweitens egal. Die Hauptsache war doch, dass das erst mal irgendwie nach Ü-Raum aussieht, irgendwie…wichtig.
Also haben wir fröhlich Moltofill angerührt und ab an die Wand mit den 400 (gelben) Pappen. Auf diese Weise haben wir insgesamt drei Flächen beklebt, nämlich die Decke, die hintere und eine seitliche Wand. Die verbliebenen beiden Wände haben wir einfach mit Farbe gestrichen und zwar in hellem Violett! Dann noch alten, roten Teppich hingeworfen und fertig war der erste psychedelische Wellnessraum der Geschichte. Klingt unvorstellbar hässlich? War es auch, aber hier ist der Beweis:

um 1993 MC und DH um 1993 DH Um 1993 MS

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