Haste Kinder haste Kügelchen… Die Globuli pro und kontra Verwirrung…

12. April 2011 | Von | Kategorie: GEDANKENBLOG - AKTUELL

Wenn ich an Globuli –auch liebevoll „Kügelchen“ genannt- denke, habe ich mittlerweile immer dieses eine Bild vor Augen:

Irgendwo steht eine geheime Fabrik mit einer gigantischen Halle. In dieser Halle steht ein Rieeeesengroßer Topf – 15 Meter hoch- und voll mit weißen kleinen Kügelchen. Unter dem Topf laufen hunderte von Fließbändern zusammen und auf jedem Fließband reihen sich abertausende, Fläschchen mit unterschiedlicher Beschriftung, die alle mit Kügelchen aus diesem Topf befüllt werden….

Natürlich ist das NICHT so. Diese Mini Tic-Tacs werden mit dem entsprechenden Wirkstoff besprüht und bestehen ansonsten aus Zucker. Recherchen diesbezüglich fördern unglaubliche Mengen von Artikeln zu Tage, die zur einen Hälfte PRO und zur anderen Hälfte KONTRA geartet sind. Da gibt es Lexika der Homöopathie, Gesundheitsratgeber von Magazinen, diverse Internetforen in denen sich Gläubige und Ungläubige ihre jeweiligen Wahrheiten um die Ohren hauen, Aphotenkenrundschauen, Fernsehsendungen und und und…. in denen das Thema kontrovers beleuchtet wird. Schlauer wird man davon in der Regel nicht, denn die eine Gruppe nimmt das allgemeingültige Argument „Es gibt zwar keine wissenschaftlichen Beweise, aber Ergebnisse die unsere Argumente belegen“ genauso in Anspruch wie die andere. Keine Hilfe zu erwarten von dieser Seite… man muss schon dran glauben… oder es zumindest selber probieren.

…Oh ok, habe ich getan, warum auch nicht. Wenn sich die Gegner und Befürworter von Kügelchen in irgendeinem Punkt einig sind, dann darin, dass diese zumindest keinen Schaden anrichten. Das ist für sich betrachtet zwar noch weit entfernt von dem Wort „Wirksamkeit“ aber es macht verunsicherten Skeptikern wie mir die Entscheidung leichter, sich auf den Feldversuch ruhig mal einzulassen. Das Resultat nach drei Jahren sieht allerdings ernsthaft skurril aus wenn ich in unsere Hausapotheke schaue, doch Moment… ich muss noch etwas ausholen:

Mein Sohn Karl ist jetzt dreieinhalb Jahre alt und vor seiner Geburt hatte ich überhaupt noch nichts von „Kügelchen“ gehört. Das Thema kam konkret mit meinem Jungen auf den Tisch, als diverse Mütter aus dem Stillkurs meiner Frau, ständig mit ominösen Plastikboxen rumliefen, in denen sich Fläschchen an Fläschchen mit Globuli reihte. Mit traumwandlerischer Sicherheit  griffen diese Damen in ihre Schachteln und förderten die korrekten Kügelchen –Je nach Fall- zu Tage. Ich war mal mit zu so einem Treffen, das geht dann so: „Oh, der Kleine hustet und sieht ganz rötlich aus aus“ – Zack, Täschchen raus, Aconitum Globuli ins Baby eingefüllt und alles wird gut. „Ups er hat sich gestern einen Mückenstich geholt, das ist ja ganz aufgekratzt“ – Kramkramkram, Apis Mellifica Globuli rein und zusehen wie die Schwellung abklingt  „Ohje, mit den Köpfchen zusammengestoßen“ Die Allzweckwaffe Arnica Globuli kommt nun zum Einsatz und sorgt für rasche Linderung… Da wird diskutiert, verglichen und sogar getauscht, als wären es Panini Sammelbildchen. Man muss es erlebt haben, sonst glaubt man es nicht und ich gebe zu, ich war beeindruckt. Vor meinen Augen mutierten (sich)sorgende Mütter zu Kräuterfeen. Das klingt jetzt zynisch, ist es aber gar nicht, denn ich kann die Unwirksamkeit genauso wenig beweisen wie alle anderen Leute die es bisher versucht haben. Also zogen Kügelchen schließlich auch bei uns zu Hause ein (Über Verschreibungen). Wenn ich auch nach wie vor nichts Schlechtes über die Dinger sagen kann, gilt das allerdings ebenfalls für den Umkehrschluss. Aber jetzt, nach dreieinhalb Jahren, hat es ein Geschmäckle bekommen, denn das Resultat ist –wie schon angekündigt- bizarr:

Es stapeln sich mittlerweile 27 Fläschchen (SIEBENUNDZWANZIG) in unserer Hausapotheke. Das Beste daran ist, dass auf keinem Beipackzettel überhaupt steht, wofür bzw. wogegen denn Welche nun eigentlich gut sind. Wenn man die Fläschchen also nach Gebrauch in die Hausapotheke stellt, sollte man eine Liste parat haben, auf welcher der Entschlüsselungscode steht, denn außer den putzigen Namen gibt es das Zeug auch noch in den verschiedensten Dosierungen. „D“ Steht dabei für eine Verdünnung im Verhältnis 1:10 und „C“ für 1:100 . Es gibt also das Mittel gegen Erkältung „Ferrum Phosphoricum“ (Was im Übrigen einfach nur „Eisensulfat“ bedeutet) als C6, D12, C30 oder D6 und natürlich in vielen weiteren Ausprägungen.
Auch die unglaubliche Vielfalt der Mittelchen ist beeindruckend. „Natrium Muriaticum“ (Es handelt sich hierbei um das exotische Kochsalz!) ist z.B. ebenso gegen Lippenherpes wie gegen Warzen, wohingegen „Cantharis Vesicotoria“ (spanische Fliege…. Äh… ist das nicht auch ein Aphrodisiakum???) gegen Verbrennungen und Sonnenstich hilft. Ein bisschen schade finde ich ja, dass es nicht auch „Canabis internica“ gibt oder sowas in der Art, DA hätte ich wenigstens nochmal einen neuen Anreiz mich mit Globulis zuzuschütten, aber das ist ein anderes Thema…

Zurück zu den 27 Fläschchen (SIEBENUNDZWANZIG !)… Wir haben die nicht etwa selber gekauft, weil wir uns schlau gelesen haben. Nein, die sind unserem Sohn wie gesagt allesamt verschrieben worden. Den Vogel hat dabei ein HNO Arzt abgeschossen und ehrlich gesagt, ist der auch der Grund, warum ich von den Dingern jetzt genug habe: Unser Sohn hat seit nahezu zwei Jahren immer wieder Paukenergüsse, sprich die Belüftung im Ohr funktioniert nicht besonders gut und wenn er Schnupfen hat (was häufig vorkommt) hat er meistens auch die Ohren dicht und früher oder später sind die dann auch immer leicht entzündet. Wir waren bestimmt sechs Mal mit ihm bei dem HNO Arzt und jedes Mal bekam er Kügelchen verschrieben. Immer andere und immer in anderen Stärken, aber eben nur Kügelchen. Natürlich will man als Eltern alles richtig machen und natürlich finde ich es toll, wenn ein Arzt nicht gleich als erstes Mittel die Paukenröhrchen rauskramt. Und vielleicht ist es ja auch ein Beweis FÜR die Wirksamkeit von Globuli, dass Karl trotz der häufigen Paukenergüsse immerhin immer um eine Mittelohrentzündung rumgekommen ist, die die logische Steigerung von Paukenergüssen ist,  aber meine Güte…. er hat seit zwei Jahren ständig dieses Problem und da fällt es schwer, begeistert „Juhu“ zu schreien, wenn der Arzt vor allem dafür Sorge trägt, dass wir bald mit diesen verdammten Dingern Handel treiben können. Sind die subventioniert? Bekommt der Arzt dafür viel Geld, wenn er die verschreibt? Ich weiß es nicht und ich will es auch gar nicht unterstellen, aber ich für meinen Teil ziehe in diesem konkreten Fall jetzt die Bremse. Allerdings schaden sie ja auch niemandem…. Wenn mich also bitte mal jemand von der Heilkraft überzeugen würde… ich versuche nach wie vor offen zu sein.

Nachtrag am Abend: Ich habe nach dem Veröffentlichen dieses Artikels noch einen interesanten Dialog geführt, in welchem ein Bekannter mir glaubwürdig Folgendes erzählte:

ZITAT: Globuli sind eigentlich nur eine Darreichungsmethode homöopathischer Arzneimittel.
Von Ärzten verschrieben handelt es sich oft (leider) nur um „Möchtegern-Homöopathie“ – es ist halt in.
Aber ich habe eine extrem positive Erfahrung damit (mit echter Homöopathie) gemacht, als ich mir vor zwei Jahren den Unterarm gebrochen hatte.
Begleitend zur klassischen Therapie hat eine bekannte Homöopathin mir regelmäßig Globuli hergestellt, jede Woche andere – passend zum Heilungsfortschritt.
Artzprognose: noch 7 Wochen Gips.
3 Wochen später neue Untersuchung: der Arzt: „Wir können den Gips abmachen“.
Da war ich platt. ZITAT ENDE.

So, DAS kann ich mir nun wieder gut vorstellen. Homöopathie als unterstützendes Mittel um begleitend seinen Teil dazu beizutragen den Körper wieder ins Lot zu bekommen. Mir kann nur keiner erzählen, dass jeder Allgemeinmediziner das in dieser Form betreibt und ich glaube auch nicht, dass man sich nur mal ein bisschen auf einer Homöopathieinternetseite ein bisschen Background zu Globulis erlesen muss, um sich erfolgreich selber therapieren zu können. Da verkommt die Sache doch schnell zu Esotherik, denn die vielen Körnchen Wahrheit (Ha, was für eine passende Begrifflichkeit bei diesem Thema)  die sicher in den Globulis im Speziellen und der Homöopathie im Allgemeinen stecken, sind gleichzeitig auch VERsteckt hinter einem dicken Wall aus Werbung, Geschäftssinn und Gutgläubigkeit. Um mit einem Reim zu enden, denn immerhin ist das hier eigentlich ein Musikblog :

Von Apis bis zu Symphytum
Von Bellis bis zu Borax
Kann kein Latein und wills auch nicht
Mir schwillt hier gleich der Torax

Tja… entscheidet selbst. Mal ein paar Recherche Beispiele:

http://lexikon-der-homoeopathie.de/woerterbuch/

http://www.br-online.de/ratgeber/gesundheit/homoeopathi-DID1188596386/index.xml

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/2084985.php

http://www.cosmiq.de/qa/show/234873/Globuli-Kuegelchen-PRO-und-CONTRA/

http://www.dooyoo.de/homoeopathie/bryonia-d12-globuli-10-g/1465671/

2 Kommentare auf "Haste Kinder haste Kügelchen… Die Globuli pro und kontra Verwirrung…"

  1. Diana sagt:

    Hallo Markus,

    liebe Grüße aus dem Süden Deutschlands. Ich sage Dir nur, dass Homöopathie auf jeden Fall funktioniert! Wir haben es bei beiden Kindern im Einsatz. Allerdings muss man manchmal nach anderen Lösungen suchen, dann z.B. wenn der Gehörgang einfach noch zu klein ist und noch wachsen muss, helfen halt auch keine Globuli. Hierfür gäbe es die Möglichkeit einer operativen Abhilfe, oder eben mit viel Geduld und Globuli abzuwarten bis die Kinder größer sind.

    Grüßle Diana

    • gecko sagt:

      Hallo Diana,

      wow das ging schnell… Danke für Deine Antwort und dass Du meinen Artikel so aufgefasst hast, wie er gemeint ist: Als Diskussionsgrundlage und keineswegs als Schmähbrief. Tatsächlich bin und bleibe ich skeptisch, aber ich bin wie gesagt offen und vor allem gespannt, ob sich hier noch interessante Beiträge finden werden.
      In dem Falle meines Sohnes laste ich das auch weniger den Kügelchen an, als dass meines Erachtens genau der von Dir beschriebene Punkt „Manchmal muss man halt andere Wege gehen“ von unserem Arzt irgendwann mal hätte aufgegriffen werden sollen. Geduld ist ja gut und schön, aber der Junge hört dann kaum etwas und das über Wochen und das insgesamt schon seit zwei Jahren. Da hat man dann schon das Gefühl, man trägt zum Umsatz bei…

      Liebe Grüße
      Markus

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