DAS KARLBUM
KARLBUM TEXTE
1 JEDER TAG Ich schau Euch beiden zu, Ihr lest grad ein Buch Bis eben habt ihr noch getobt und jetzt ist‘s genug Du liest ihm vor und er hört genau zu blättert gern selber um und kommt jetzt zur Ruh
Wir haben den ganzen langen Tag Dinge ausprobiert Haben Kissen aufgestapelt und Kartoffeln püriert Er hat einem Regenwurm etwas Regen gebracht hat seine kleine Welt wieder `n Stück größer gemacht … weil er schaut , weil er weint weil er lacht
Jeder Tag, gibt ihm Recht Seine Begeisterung für jedes Teil ist so unglaublich echt Jeden Tag, bekommen wir dafür ein Stück Von dem was wir lang schon vergessen haben zurück
Ich würde so gerne sehen, wie er die Dinge sieht Würd gern wissen was er denkt, wenn er stolz `n Einkaufswagen schiebt Seine Sicht auf unsere Welt ist so beneidenswert wach hat dadurch unser Leben ganz einfach mehr gemacht … weil er schreit, weil er singt, weil er lacht
Jeder Tag, gibt ihm Recht Seine Begeisterung für jedes Teil ist so unglaublich echt Jeden Tag, bekommen wir dafür ein Stück Von dem was wir lang schon vergessen haben zurück
2 DAS ERSTE LIED Ich bin groß Du bist klein, passt in meinen Arm hinein Ich bin groß Du bist klein, viel Schlaues fällt mir nicht ein Du bist klein ich bin groß, liegst quer auf meinem Schoß Ich bin groß Du bist klein, lang wird das nicht mehr so sein
Ich schau Dich an Wie so etwas wie Du nur so niedlich sein kann
Du lachst und strahlst mich an, und ich bin stolz weil ich was dafür kann Du lachst und strahlst mich an, wir beide spielen „Guten Tag Madame“ Ich lach genau wie Du, kaum zu glauben was ich alles tu, damit Du… …nicht weinst und quakst, weil ich weiß, dass Du gern lachen magst
Ich schau Dich an Wie so etwas wie Du nur so fröhlich sein kann
Du schläfst, ich würd gern auch und Du schnarchst auf meinem Bauch Du schläfst, ich würd gern auch, du scheinst zu glauben, dass ich keinen Schlaf brauch Ich mach die Augen zu, schon gehen Deine auf ganz im Nu Du schläfst auf meinem Bauch, ich schau Dir zu und ich würd so gern auch
Du schaust mich an Wie so etwas wie Du nur so quirlig sein kann
3 LASS DIE SOCKEN AN Du siehst doch eigentlich ganz normal aus, zumindest sind zwei Arme und zwei Beine dran Doch was Du mit diesen Dingern alles machen kannst… das geht echt über meinen Verstand Egal, ob ich Dich fütter‘ oder Deine vollgekackten Windeln wechseln will
Du mutierst zu einem Krakenalien und Du hältst und hältst und hältst einfach nicht still Lass doch die Socken an und tu sie bitte nicht in Deinen Brei Lass doch die Socken an und Du lachst mich auch noch an dabei
Du sitzt inmitten meiner Zeitung, das ist nicht schwer, denn die liegt überall Das schaffst Du ganz ohne Anleitung, ah eigentlich ist das egal Denn da steht sowieso nur Mist drin, insofern hast Du mir’n Gefallen getan Dann geh’n wir beiden eben schön spazier’n, ich zieh Dir nur noch schnell was Warmes an
Lass doch die Socken an, wir haben schon tausend von den Dingern verloren Lass Deine Socken an und die gehör’n auch nicht in meine Ohren
Ich würde wirklich gern verstehen warum du das tust, dann käm ich mir nicht so blöd vor
Du hast Besuch von Deiner Oma, die will mal seh’n was Du so Neues kannst Und dann fall ich beinah ins Koma, sie sagt Deine Socken sind ausgefranst Du bräuchtest wirklich dringend Neue und dann zieht sie Deine Socken aus Hat sie gedacht dass ich mich freue, dann hat sie falsch gedacht, ich tick‘ gleich aus
Lass seine Socken an, das ist doch wirklich nicht zu glauben Lass seine Socken an, ich muss die Dinger wirklich bald festschrauben
4 EIGENTLICH Eigentlich bin ich gern bequem Eigentlich mag ich fernsehn sehn Eigentlich les ich auch gern mal n gutes buch Eigentlich bekomme ich von Langeweile nie genug
Eigentlich bin ich n büschn n Egoist Und ich hasse es eigentlich wenn irgendwas oder irgendwer meine Zeit auffrisst Darum ist Familienleben für mich eigentlich nicht grad der heilige Gral Und kleine Kinder sind für mich eigentlich bestenfalls total egal Aber sowas von egal
Und dann kam Und dann kam Karl Ich weiß wie sich das anhört, das klingt sogar für mich ein wenich Trivial Doch ich musste Papa werden um zu wissen wie das ist Ich musste Papa werden um zu merken Ich hab Papa sein vermisst
Sind wir doch mal ehrlich, so Babys in der Werbung sind doch eigentlich immer kitschig Nur was einem keiner sagt: wenn man die nich regelmäßig wartet werden die auch echt schnell glitschich Und eigentlich find ich Babyhäufchen eklich Nun macht son‘ Baby sowas ja nich gerade selten, sondern eher mehrmals täglich Allen Kumpels die ich habe, die dann Papa wurden sagte ich dann immer gerne ganz jovial Ich leb halt weiter auf meim‘ Berg und wenn man Kinder kricht wie ihr, dann müsst ihr eben ganz durchs Tal Das ist halt so, das ist normal
Und dann kam Und dann kam Karl Nicht mal Zeit mehr keine Zeit zu haben, bin unter Windeln echt begraben Ham‘ viel Kram im Regal Von meinem Leben wie es lief, is nix mehr gerade, alles schief Von meinem Leben wie es war, ist gottseidank nich‘ mehr allzuviel von da
5 ALS ICH ZEHN WAR Als ich zehn war war ich immer abgebrannt und dann hatt’ ich nen vermeintlich guten Plan Ich ging zwei Straßen weiter, setzte meine Leidensmiene auf, fragte nach nem Ticket für die Bahn Ich müsst’ nach Haus, und bräuchte dafür etwas Geld und plötzlich stand mein Vater dann vor mir Denn einer hatte mich erkannt und war gleich nach Haus gerannt, ich dachte immer petzen sei nicht fair
Als ich elf war, wollte ich zu Hause rein, meine Eltern war’n grad wech, mein Schlüssel auch. Den Ersatzschlüssel hatte ich vor Wochen schon versust und so stand ich ziemlcih auf dem Schlauch Die Leiter rauf und die Dachluke aufgestemmt Im endeffekt kam ich so rein Nur die Lucke sagte “Tschüss, wolln ma sehn wen ich so grüß” und dann schlug sie in die Regenrinne ein
Mein Vater grinst mich heute an, schaut auf meinen Sohn, fängt an zu lachen er sagt, der säh’ mir nicht nur ähnlich er wird auch viel genauso machen wie ich damals als wirklich keiner vor mir sicher war und mir wird ganz Flau im Bauch denn mein lieber Sohn grinst mittlerweile auch
Als ich zwölf war, hat mein Vater mir gesagt, hol die Fische mal aus meinem Teich die fressen uns die ganzen Kaulquappen auf, hier hast’n Kescher, ich muss los, mach das mal gleich so stand ich da und fand das erstens ziemlich doof und zweitens war mir das zu schwer doch mein Vater wusste nicht, dass ich wusste… im Kleiderschrank steht sein Luftgewehr
