KISS bei Wetten, dass… ? – wie ein Zehnjähriger von damals noch heute schützend die Hand über seine Helden zu legen versucht.

1. März 2010 | Von | Kategorie: Gedankenblog - Die ganze Wahrheit

Ein wenig hilflos saß ich vor dem Fernseher, als ich KISS bei „Wetten, dass…?“ gesehen habe. Hilflos, weil ein Teil von mir sich gefreut hat wie der kleine, zehnjährige KISS Fan, der ich mal war. Und hilflos weil sich der andere Teil (leider der größere) vor lauter Fremdschämen kaum getraut hat, weiter hinzuschauen.

Man kann über KISS viel sagen und das zu gleichen Teilen Gutes wie Schlechtes. Ihr… nennen wir es mal „Unternehmergeist“, ist legendär, weil sie wirklich über all die Jahre keine Strömung ausgelassen haben, in der man schwimmen und Geld verdienen konnte. Ob sie nun ihren Musikstil sehr oft dem jeweiligen Trend angepasst haben, oder vor lauter Picture Discs, Special Albums, Sonder Editions und Merchandise Artikeln wohl selber nicht mehr wissen dürften, was sie alles auf den Markt gebracht haben… Fest steht, dass sie immer noch (bzw. wieder) im Geschäft sind. Ich weiß nur nicht, ob es immer noch Geschäftsinn ist, sich in voller Montur auf eine Fernsehbühne zu stellen und Zeugnis davon abzulegen, dass der Sänger nicht mehr singen kann. Da hätte ich mir fast Playback gewünscht!

Verziehen seien die gut genährten Bäuche, die immer gleichen Gesten, der Schreck, dass hinter den Masken bei näherer Betrachtung eben doch 60 Jährige Männer stecken (Zumindest im Falle von Gene Simmons und Paul Stanley) und verziehen sei auch, dass sie ausgerechnet „I was made for loving you“ gespielt haben, das meist belachte Lied dieser Band, das aber nun mal in Deutschland (und wirklich NUR in Deutschland) ein Hit war. Was soll ich sagen… wenn sie noch rocken, haben zumindest die ersten drei Generationen Fans immer noch Ihren Spaß, wir reden hier schließlich von KISS!
Was Paul da aber am Sonnabend bei „Wetten, dass…?“ abgeliefert hat, hätte mich als Zuschauer auf einem LIVE Konzert entsetzt. Er musste tatsächlich sichtbar häufig tief Luft holen, um gelegentlich mal einen rockig gerotzten Satz rauszudrücken… das tat mir irgendwie weh, gleichzeitig aber habe ich mir verkniffen, das vor Anderen zuzugeben.

Um das zu verstehen, muss man natürlich folgendes wissen: Ich bin KISS Fan seit 1979, da war ich zehn Jahre alt. Ein Onkel von mir, der gerade mal sechs Jahre älter ist und damit immer sowas wie mein großer Bruder war, hatte alle bis dahin aktuellen Platten. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich ebenfalls völlig entflammt war für diese blutrünstigen, geheimnisvollen und sonderbaren Gestalten, von denen damals tatsächlich keiner wusste, wie sie wirklich aussehen. Ach Gott, wie häufig gab es in der Bravo „sensationelle Enthüllungsfotos“ , die sich als verwackelte Schnappschüsse von Langhaarigen Gestalten entpuppten, die jeden hätten darstellen können.
Wie enttäuscht war ich, als ich 1980 natürlich noch nicht mit auf das Konzert in Hamburg gehen durfte und wie irre war diese Zeit in der Schule, als man entweder militanter KISS oder aber ebenso militanter AC/DC Fan war. Beides ging einfach nicht zusammen. Das war so ein bisschen wie Hells Angels gegen Bandidos, nur eben in der fünften Klasse und die war zumindest damals noch frei von Stichwaffen und Schlagringen…

Ich habe sie dann auch bald alle gehabt die LP’s. Sogar noch mit dem originalen Schriftzug (der in Deutschland, wegen seiner offensichtlichen Affinität zu den Runen der Waffen SS dann verboten wurde). Irgendwann mit sechzehn oder siebzehn Jahren, als ich KISS in einer Zwischenphase mal albern fand, habe ich dann einen Teil dieser Platten für einen Appel und ein Ei auf dem Flohmarkt verscherbelt (Ich weiß aber nicht mehr, ob für AC/DC Platten oder Zigaretten). Darüber habe ich mich bereits kurze Zeit später schwarz und weiß geärgert. Das passte dann zwar zu den Masken von KISS, brachte mir die Scheiben aber auch nicht wieder.
Ich konnte in meiner aktivsten Fanzeit wirklich jede der vier Masken akribisch nachzeichnen und hatte die obligatorische Sammelmappe mit Hintergrundinfos (und verwackelten Fotos). Am besten fand ich immer Peter Criss (Die Katze) und Ace Frehley (Der Starman) (EDIT 06.03.2010: AU WAIA!!! Natürlich war Ace der Spaceman. Ich Idiot! Ich gebe zu, dass ich länger nicht mehr an KISS gedacht hatte, da ist mir wohl beginnende Alzheimer dazwischen gekommen) , auch von den Masken her. Genau diese beiden sind nicht mehr dabei. Sie waren allerdings auch nicht die Gründungsmitglieder. Auch die Umstände, ihres Ausscheidens und der Umgang der Band damit in den Medien waren recht unschön, aber das ist ein anderes Thema und sprengt den Rahmen einen Blogbeitrages.
All das sind auf jeden Fall viele Erinnerungen. Das sind wichtige Erinnerungen an eine Zeit, die mich aktiv in meinem Musikgeschmack geprägt hat.
Ich habe sie dann schließlich doch noch LIVE gesehen. Das war glaube ich 2003  auf der Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg (EDIT: 06.03.2010: Ich hatte geschrieben „glaube ich“. Offensichtlich war das 1997, ich fass es nicht, dass das so lange hergewesen sein soll….Im Ernst, ich hatte das nur grob geschätzt. Auf jeden Fall hat sich Paul an einem Stahlseil über die Menge tragen lassen und Bela hatte eine Art „Kill-Bill“ Trainingsanzug an. Wenn ich nicht shizophren bin, war ich auf jeden Fall da.). (Die Ärzte als Vorgruppe waren in dem Falle und bei DEM Publikum völlig fehlbesetzt) Da hatten sie es schon noch drauf und sogar in der Urbesetzung, mit dem echten Ace Frehley und dem echten Peter Criss. Der gute Ace war zwar nicht ganz nüchtern (leider) aber immerhin hat er mit seiner Feuerwerkskörper spuckenden Gitarre nur einen Scheinwerfer aus dem Bühnenhimmel geschossen. Ob gewollt oder nicht, das war schon ganz geil ^^ . Peter Criss hatte schon dort recht viel Hüftgold und sah in seinem Spandexanzug ein bisschen aus einer von den Incredibles. Die Doubles bei dem „Wetten, dass…?“ Auftritt kamen mir auf jeden Fall schon fast wie Betrug vor. Auch wenn der falsche Peter und der falsche Ace schon seit Jahren dabei sind…. es sind einfach die falschen Typen in der richtigen Uniform, bei Beamten gibt es Gesetze gegen sowas… aber ok, da bin ich vielleicht eigen.

…Wie auch immer, ich bleibe zwiegespalten. Es war schrecklich schön, sie wiederzusehen, nur dass das Wiedersehen eben ganz schön schrecklich war…

8 Kommentare auf "KISS bei Wetten, dass… ? – wie ein Zehnjähriger von damals noch heute schützend die Hand über seine Helden zu legen versucht."

  1. pascal sagt:

    hallo @ all
    ich wollt nur mal loswerden das das an der einstellung vom tonman lag das es auch so schei**e geklungen hat
    und an der halle
    ich hab kiss 2 mal live gesehn 1 mal in wien und das 2 mal in Prag da war paul lange nicht so schlecht wie in der halle
    ich bin musiker und kann sagen wann und wo etwas falsch eingestellt ist glaube ich

  2. gorgohr sagt:

    Moin,

    also nach dem der Link im KISS Forum publik gemacht wurde mußte ich doch mal raufschauen. Deine Ausführungen zur Wetten Dass Sendung lass ich nun mal unkommentiert da hat jeder seine eigene Sicht der Dinge. Aber…..du schimpfst Dich KISS FAN seit du 10 Jahre warst. Dann frag ich mich welches Konzert Du 2003 gesehen haben willst??? Geheimkonzert ? in der Urbesetzung? OH OH OH. Das von Dir angesprochene Konzert war gut 6 JAHRE !!!! vorher nämlich 1997. Also wenn Du schon über KISS egal in welcher Form was berichtest (das mit dem Starman wurde Dir ja auch schon um die Ohren gehauen) dann solltest Du schon genauer recherchieren. Ansonsten lass ich Dir und auch den anderen Schreibern gerne Ihre Meinung, die haben sie( leider) Exclusive.

    Thorsten

    • gecko sagt:

      Ebenfalls moin,

      Mea Culpa… ich habe mich offensichtlich um sechs Jahre vertan. Was soll ich sagen… hätte ich nicht gedacht, dass das schon so langer her ist.Aber man wird ja nicht jünger 🙂

      Den Faux Pax mit dem „Starman“ gebe ich gerne zu, ist halt im Eifer des Gefechts passiert, weil ich den Artikel schnell, schnell während der Mittagspause geschrieben habe.

      KISS werden immer die Helden meiner Kindheit bleiben, aber deswegen verschließe ich nicht nostalgisch verklärt die Augen davor, dass die Gesangsleistung von Paul bei „Wetten, dass…?“ eine Katastrophe war. Vor allem weil es genügend Beispiele von Musikern in dem Alter gibt (z.B. The Boss) die es einfach noch voll drauf haben.

      Aber Du hast Recht, wenn man schon so einen Artikel schreibt, sollte er besser recherchiert sein (bzw. das Gedächtnis besser 😉 ) Ich werde mich in Zukunft darum bemühen.
      Danke für Deinen ehrlichen Kommentar
      LG Markus

  3. Der Onkel sagt:

    moinsen, ich bin der bewußte „Bruder-Onkel“ und muss leider auch gestehen, dass mich der Auftritt mittelmäßig bis stark erschreckt hat.
    Nichtsdestoweniger bin ich immernocher stolzer Besitzer der Plattensammlung (incl. der einen von meinem „Bruder-Neffen“ aufgrund schwerer Misshandlungen (der Platte) nachgekauften 🙂 ) und – ich kann’s nicht lassen – ich werde mir auch das Konzert am 31.05. antun (meine selbst gebastelte KISS-Weste von 1980 passt sogar noch – fast) . In der Hoffnung, dass es nicht schlimmer wird als Meat Loaf vor ein oder zwei Jahren (wenn die da nicht via Beamer die Titel an die Wand geworfen worden wären, wüßte ich heute noch nicht was da gespielt wurde).
    Bin halt ein hoffnungsloser Nostalgiker.

    In diesem Sinne
    Let me go Rock & Roll

  4. Doehns sagt:

    Watr is mit Status Quo?
    Als echter 68er habe ich die von meinem Bruder (65er) geerbt-wobei ich meinen Bruder loben muss-die ersten Platten, die ich ihm wirklich geklaut habe liebe ich heute noch: Mike Oldfields Tubular Bells, Manfred Man aus der Zeit, The Wall und anderes von Pink Floyd, Allan Parsons. Ich habe meinen Bruder zwar auf den Tod nicht ausstehen können(damals, mittlerweile mögen wir uns recht gerne), aber er hat meinen Musikgeschmack geprägt-und so schlecht lag er da nicht. Im Nachhinein bin ich ihm sogar dankbar.
    Das olle Frettchen hat schon wieder alle meine Platten geklaut (und die, die ich klauen konnte, habe ich so oft gehöhrt, dass sie bei mir eingebrannt sind).
    Wetten Dass hat seine besten Zeiten gesehen-ich guck da auch noch recht gerne rein, aber stimme in den Schwanengesagang mit ein- Gottschalk ist und bleibt mein Held-der nicht nur den anticlimax verpasst hat-ist eben so peinich wie schmidt mit dem pocher-aus die Maus-noch irgendwie in Ehren zurücktreten bevor es noch peinlicher wird

  5. leroy sagt:

    Gene Simmons „glänzt“ ja schon seit einiger Zeit mit seiner eigenen Dokusoap „Gene Simmons Family Jewels“ à la „Osbournes“. Bei Ozzy fand ich das ja noch ganz witzig, bei den Simpsons äh Simmons ist das nur noch peinlich. Das einzige Kiss Allbum, das ich mal besessen habe war „Platinum“, und da war „I was made for lovin‘ you“ nicht drauf. 🙂
    Ich stand zu der Zeit eher auf Queen und AC/DC, aber die Band hat halt Kultfaktor. Den Auftritt bei „Wetten Dass“ habe ich verpasst, aber vielleicht war das auch ganz gut so.
    Ich war nämlich am Samstag beim Abschlußkonzert von Depeche Mode vor 50.000 Zuschauer und die Band hat die Esprit Arena gerockt, dass mir heute noch ne Gänsehaut dabei am Körper runter läuft. Na ja, sind ja auch noch ein wenig jünger als die Altrocker von Kiss. 😉

    Gruß leroy

  6. Ein Björn sagt:

    unterschreibe jedes
    Wort (bis auf die Tatsache, dass Ace nicht Star-, sondern Spaceman war).
    Find’s immer wieder geil, von Leuten zu hören und zu lesen, die genau wie
    ich totale Kiss-Addicts waren. Bei mir war’s zwar 1981 statt 1979 (hab
    „Unmasked“ damals zu Ostern bekommen), aber der Rest deiner History kommt
    mir SEHR bekannt vor.
    Ging zum Grundschulkarneval als Ace Frehley, habe an Ace’s 30. Geburtstag
    ihm zu Ehren einen Kuchen gebacken, musste 1988 drei Monate Zeitungen
    austragen, um mir den Trip zu den Monsters Of Rock leisten zu können, bin
    1994 in vollem Ace-Makeup zur Kiss Convention nach Berlin gefahren (und habe
    raketenstramm Peter Criss‘ Hand geschüttelt), sah erwachsene Männer links
    und rechts neben mir beim ersten Reunion-Konzert 1995 in Berlin in Tränen
    ausbrechen, halte Rock And Roll Over, Dressed To Kill, Love Gun und die
    beiden Alive-Scheiben immer noch für das Alte und das Neue Testament des
    Rock’n’Roll…aber spätestens seit Psycho Circus, dem „Die
    Abschiedstour“/“Die Tour nach der Abschiedstour“/“Die letzte Tour vor der
    jetzt aber wirklich Abschiedstour“-Zirkus und der debilen Idee, Eric Singer
    und Tommy Thayer in die Kostüme von Ace und Peter zu stecken, ist das Thema
    für mich durch. Verstehe nicht, wie man sich so dermaßen zum Bernd machen
    kann, wie es Gene und Paul seit 10 Jahren tun. „Wetten Dass…?“ ist da nur
    die logische Konsequenz.
    ANYWAY, Kiss waren mal die heißeste Band des Planeten. Jetzt sind sie leider
    nur noch die peinlichste Kapelle der Welt.

    Rock’n’Roll All Nite,
    Björn

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